Berlin Strings

BERLIN STRINGS is a classically trained chamber ensemble specializing in collaborations with pop and indie musicians, as well as cinematic compositions. The quartet consists of Lisa Marie Vogel (violin), Johanna Wundling (violin), Tabea Haarmann-Thiemann (viola) and Luisa Babarro Fernández (cello); the expectation is to make classical music more tangible for the modern listener.

Out Now

Berlin Strings

On A Dark Night

Regular price $36.00

Lisa · Johanna · Tabea · Luisa

Berlin Strings

  1. Sep 10

    Berlin, Germany Berghain Kantine (+ Philipp Johann Thimm)
  2. Mar 16

    Leipzig, Germany Nikolaisaal (+ Hundreds)

Wie vier Musiker*innen klassische Musik neu erfinden

Berlin Strings sind ein Streichquartett, sie sind aber vor allem ein Versprechen: Dass Komplexität nicht hermetisch klingen muss. Dass Tanzbarkeit und Introspektion in einen Bogenstrich passen. Dass Musik kompliziert sein kann, aber nicht auf ausschließende Weise, sondern auf eine, die man verstehen möchte, eine, die etliche Zugänge ermöglicht. Und bei all dem sind Berlin Strings zuallererst: ein Versprechen, dass Klassik mehr sein darf als geniale Alleingänge von Einzelkämpfer*innen.

Lisa Marie Vogel, Johanna Wundling, Tabea Haarmann-Thiemann und Luisa Babarro Fernández haben sich seit ihrem Kennenlernen im Bundesjugendorchester und der Gründung von Berlin Strings vor 13 Jahren lang genug als Forscherinnen am eigenen Klang abgearbeitet. Einem Klang, der schon immer von beidem durchdrungen war: von der Disziplin der Klassik, dem reinen Handwerk, dem erhabenen Regelwerk der Komposition, das Kommunikation wortlos werden lässt. Aber eben auch vom Experiment, dem Flirt mit Dissonanzen und Arrhythmischem, mit Cuts und Loops, dem elektronisch konstruierten Unterbau, der auf ihrem ersten Album „On A Dark Night“ nun zur tragenden Kraft vieler Streicharrangements wird. Eine Architektur, die aufgeht, weil sie sich immer um Violinen, Viola und Violoncello zentriert.
 
Das war die Herausforderung, als Berlin Strings sich inmitten pandemischer Lähmung auf die aktive Suche nach Kollaborateur*innen für ein Album machten, das vor allem mutig ist, weil seine Macherinnen die Kontrolle über die Kompositionen abgaben, die sie später wiederum einspielen sollten. „On A Dark Night“ ist nicht zuletzt deswegen ein dermaßen nahbares Album geworden, weil es vom Vertrauen zwischen Künstler*innen unterschiedlichster Sparten erzählt, von Klangaktivist*innen, Arrangeur*innen und Filmmusiker*innen, die sich einzig vom Arbeitstitel „Play It On A Dark Night“, einem Gedicht der Musikerin und Lyrikerin Patti Smith sowie einem Edward-Hopper-Bild leiten ließen. Und dem Wissen um diese eine stille Abmachung: das Streichquartett bleibt im Fokus.
 
Ein Anker, der die Saiten des Quartetts in unsteten Gefilden von Shannon Seas Avantgarde-Ästhetik genauso lebendig um den eigenen Fixpunkt kreisen lässt, wie umgeben von Therese Strassers Schönheit der Wiederholung. Der von Philipp Johann Thimms postrockartigen Voice-Fieldrecordings genauso zum gestrichenen oder gezupften Kern des Albums zurückführt wie er Ella Zwietnigs sirenenartigen Gesang nur für eine Momentaufnahme ausufern lässt. Bei all dem ist „On A Dark Night“ kein Schattenalbum, es ist auf die schillerndste Art und Weise hoffnungsvoll, wie schon das vorwärts gerichtete Eröffnungsstück von Ralph Heidel und Dascha Dauenhauers sich permanent neu aufbauendes „Play It On A Dark Night“ prognostizieren. Und manchmal ist es sogar zum Weinen komisch. Wenn die Violinen in Gunter Papperitz‘ „Night Ride Under Ground“ zum Staccato-Sprint ansetzen etwa. Und es ist heilend, wenn Conrad Oleaks Electronica wie lebensspendende Tropfen auf ein trockenes Grundarrangement niederplätschern, während man ausschnitthaft wie in einem Coen-Brüder-Film irgendwo ein- und irgendwo einfach wieder aussteigt – in Anneli Bentlers filigraner Sounddesign-Kulisse zum Beispiel oder im „Somnium“ von Berlin-Strings-Mitglied Tabea Haarmann-Thiemann.

Aufgenommen wurde „On A Dark Night“ im Rahmen eines großen Wiedersehens mit allen Kollaborateur*innen im Berliner Vox-Ton-Studio. Eine Herausforderung, so Luisa Babarro Fernández, denn anders als im Pop höre man beim Einspielen von Streicharrangements alles, jeden Kratzer, jedes Stolpern, jede Unachtsamkeit. Wenig kann bearbeitet werden, geschnitten, verschoben. Auf „On A Dark Night“ ist keine Unachtsamkeit zu spüren, kein Kratzer zu hören – oder er ist gewollt. Vielleicht, weil Wundling, Vogel, Haarmann-Thiemann und Babarro Fernández ihre Instrumente seit Kindertagen kennen, vielleicht, weil sie sich ihres Könnens ganz sicher waren, vielleicht aber auch, weil Berlin Strings mit diesem Album nicht nur ihren Hörer*innen, sondern auch sich selbst ein Versprechen gegeben haben: Wer hier stolpert, wird aufgefangen.

Jennifer Beck